Kulturförderung

Kulturförderung steht auf der Kippe

TORNESCH. Gekürzt werden muss bei den freiwilligen Leistungen - unter diesem Motto haben die Kreisausschüsse ihre Haushaltspläne für 2010 beraten. Ein Posten auf der Liste mit Kürzungen wird die Kreiskulturförderung sein. "Wir haben uns dem Druck der Haushaltskonsolidierung gebeugt", sagte die Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses am "Runden Tisch der Kultur" in Tornesch. 20 Prozent der ehemals 250 000 Euro werden wohl dem Rotstift anheimfallen, 43 000 Euro weniger stehen zur Verfügung, um Projekte und Veranstaltungen zu fördern.

Doch die Einbuße im Budget wird die Kulturszene im Kreis Pinneberg wohl nicht so hart treffen. "Die Kürzung liegt unter dem, was in den vergangenen Jahren nicht abgeschöpft wurde. Wir hoffen, mit dem Geld auch 2010 auszukommen", sagte Seyfert. 49 000 Euro Fördermittel wurden 2009 nicht an Künstler verteilt und fließen zurück in den Kreishaushalt.

Mehr Sorgen hingegen bereitete den Künstlern am Runden Tisch die Zukunft der Kulturförderung. Das Konzept wird nach drei Jahren Ende 2010 auslaufen. Seyfert hoffe zwar, ein neues Konzept erstellen zu können und in ihrer Fraktion eine Mehrheit zu finden. Doch die CDU müsse auch bei anderen Fraktionen Unterstützung bekommen. "Ansonsten kann es sein, dass es die Förderung nicht weiter gibt", sagte sie.

Keine Kultur ohne staatliche Hilfen

Das könnte das Ende der kulturellen Vielfalt im Kreis Pinneberg bedeuten. Obwohl die Szene immer mehr auch im benachbarten Hamburg wahrgenommen und beachtet wird, bezweifelten die Künstler, dass Städte und Gemeinden ihre Kulturförderung aufstocken beziehungsweise gründen werden. Und ohne staatliche Unterstützung könnten zahlreiche Projekte nicht mehr realisiert werden. So habe Halstenbek den Gemeindezuschuss um 75 Prozent gesenkt, sagte Tamara Böhning vom Kulturkreis Halstenbek. Gebe es kein Geld mehr vom Kreis, fehlten Mittel für Veranstaltungen. Auch in der Pinneberger Drostei würde das Programm karger ausfallen. "Mindestens eine Ausstellung würde ausfallen, eventuell müssten wir das Barockfestival streichen", sagte Stefan Dupke, Geschäftsführer der Drostei.

Besonders hart würde es die Barmstedter Galerie III treffen. "Es wäre utopisch, dann noch weiter zu machen", sagte Karin Weißenbacher. Von der Stadt gebe es kein Geld. Zwar werde die Galerie durch den Bauhof personell unterstützt, zudem gebe es Mieterleichterungen durch die Stadt. Aber die Gagen für Ausstellungen könne sie sich ohne Kulturförderung nicht leisten.

Insgesamt 187 000 Euro für 205 Veranstaltungen und Projekte bewilligte der Kreis voriges Jahr auf Empfehlung des Vergabegremiums, das sich aus Politikern, Verwaltungsmitarbeitern und Kulturschaffenden zusammensetzt. Ab 15. März werden die Mitglieder in veränderter Besetzung ihre Beratungen wieder aufnehmen. Dann wird Brigitta Höppner, bildende Künstlerin und Kreiskulturpreisträgerin 2004, die Kulturschaffenden vertreten, Stellvertreter ist Drostei-Geschäftsführer Dupke. Seyfert, Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (CDU), Klaus G. Bremer (FDP) und Waltraut Buchholz vom Kreiskulturverband Pinneberg wählten sie einstimmig.

Pinneberger Zeitung Sascha Bauermeister, 25. Februar 2010