Absturz der Sozialdemokraten

Uetersener Nachrichten vom 28.09.2009

Der Absturz der Sozialdemokraten
SPD verliert alle Wahlkreise / erdrutschartige Verluste.

Die SPD hat auch im Kreis Pinneberg eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die Verluste sind zweistellig. Der sozialdemokratische Bundestagsabgeordneter Dr. Ernst Dieter Rossmann verlor erneut gegen seinen CDU-Kontrahenten Dr. Ole Schröder. Und selbst die rote Hochburg Elmshorn wurde geschleift.

Pinneberg. Es war 21 Uhr, als bei Ole Schröder das Handy klingelte. Am anderen Ende war Ernst Dieter Rossmann. Der Sozialdemokrat gratulierte seinem christdemokratischen Kontrahenten zum erneuten Sieg des Wahlkreises.
Der Abgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende feierte da bereits mit seinen Anhängern im Campana in Prisdorf. Trotz des persönlichen Triumphs war es kein rauschendes Fest. Das zweitschlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl für die CDU und der Absturz auf 31 Prozent im Land, drückten auch bei den Christdemokraten die Stimmunmg. „Wir feiern nicht mit Champagner, aber auch nicht mit Wasser. Die Stimmung ist nach Bier“, kommentierte Schröder das Wahlergebnis und machte kein Hehl daraus, dass er sich mehr Stimmen für seine Partei gewünscht hätte. Unter dem Strich ist Schröder, der als Landesgruppensprecher eine wichtige Rolle in Berlin spielt, mit dem Ausgang des Urnengangs zufrieden. Denn das Ziel, den Wahlkreis zu verteidigen und eine schwarz-gelbe Regierung zu bilden, haben die Christdemokraten erreicht.
Die Sozialdemokraten verbuchten dagegen dramatische Verluste. Ihr Bundestagsabgeordneter Ernst Dieter Rossmann verlor nicht nur erneut seinen Wahlkreis an Ole Schröder, auch alle vier Landtagswahlkreise gingen verloren. Der Kreisvorsitzende Hans-Helmut Birke versuchte erst gar nicht, etwas zu beschönigen. „Das ist eindeutig eine schwere Niederlage für die SPD“, sagte Birke. Er machte deutlich, dass der Weg zurück an die Macht für seine Partei schwer werden wird.
Aus der Reaktion von Ernst Dieter Rossmann war Bitterkeit herauszuhören. Trotz eines persönlich engagierten Wahlkampfes hat es bereits zum zweiten Mal nicht zum Sieg gegen Ole Schröder gereicht. Lieferten sich die beiden 2005 noch fast ein Kopf-an-Kopf-Rennen war die Niederlage dieses Mal besonders deutlich. Rossmann bilanzierte: „Die Menschen wollten Schwarz-Gelb. Die Party soll gefeiert werden, aber es wird sich schnell Ernüchterung einstellen.“
Trotz der Niederlage wird Rossmann aber auch weiterhin im Bundestag vertreten sein. Er steht auf dem ersten Platz der Landesliste. Er versicherte, sich auch weiterhin mit ungebrems-ter Kraft für den Wahlkreis einsetzen zu wollen.
Als dritte Abgeordnete aus dem Kreis Pinneberg wird aller Wahrscheinlichkeit nach Valerie Wilms in den Bundestag einziehen. Die promovierte Ingenieurin aus Wedel musste bis zum Schluss zittern, ob sie über die Landesliste den Sprung vom Kreis- in den Bundestag schaffen wird.
Die Grünen profitieren damit von dem Stimmenzuwachs für die kleinen Parteien. Auch im Kreis Pinneberg haben Linke, Grüne und vor allem die FDP prozentual an Stimmen hinzugewonnen.
Der Kreisvorsitzende der Liberalen, Matthias Scheffler, jubelierte zwar nicht. Doch er war mehr als zufrieden. Die Liberalen seien die Sieger des Abends, sagte er. Die FDP konnte ihr Ergebnis bei der Landtags-, wie bei der Bundestagswahl fast verdoppeln.
Auch die Linken waren zufrieden. Sie verbuchten ebenfalls einen starken Stimmenzuwachs. „Wie erwartet“, kommentierte deren Fraktionschef im Kreistag, Claus-Peter Matetzki, die Zahlen. Wermutstropfen aus der Sicht der Linken, ist jedoch, dass die CDU gemeinsam mit der FDP eine Regierung bilden kann.

Uetersener Nachrichten vom 28.09.2009 00:37 von Sebastian Kimstädt